Proust Wörter + Töne

Juden und Araber in Israel

Sieben Literaturtipps

sowie drei Weckrufe zur Diagnose: Judenhass in Deutschland

Liebe Freundinnen und Freunde von Proust,

"Das Beunruhigendste ist seit Längerem, was zwischen Juden und Arabern innerhalb Israels geschieht. Es gibt viele Orte, an denen jüdische und arabische Israelis aneinandergeraten. Man bräuchte sehr viel Weisheit und sehr viel Reife, um dieses delikate Verhältnis zwischen Juden und Arabern innerhalb Israels in der Balance zu halten. Wir sehen jetzt, was geschehen und welche desaströsen Folgen es haben kann, wenn diese prekäre Balance verletzt wird.", schreibt der israelische Autor David Grossman im Interview mit der SZ.

Er kritisiert scharf die "Überordnung der jüdischen Israelis über die arabischen Israelis und über die Palästinenser in den besetzten Gebieten. Sie ist eine Konfliktquelle, der viele Israelis nicht ins Auge sehen wollen".

Wir haben eine kleine Liste (neuerer und älterer) Bücher zusammengestellt, die uns zu diesem Thema am Herzen liegen.

Colum McCann, Apeirogon

Rami Elhanan und Bassam Aramin sind Väter von Töchtern. Beide Töchter waren Zeichen erfüllter Liebe, bevor sie starben. Ramis Tochter wurde 1997 im Alter von dreizehn Jahren von einem palästinensischen Selbstmordbomber vor einem Jerusalemer Buchladen getötet. Bassams Tochter starb 2007 zehnjährig mit einer Zuckerkette in der Tasche vor ihrer Schule durch die Kugel eines israelischen Grenzpolizisten. Ramis und Bassams Leben ist vollkommen symmetrisch und gleichzeitig vollkommen asymmetrisch; beide leben im selben Land, aber auf verschiedenen Seiten. Rami und Bassam sind Freunde, beide haben eine Tochter verloren.
Während "Apeirogon" in 1000 Kapiteln seine nahezu unendlichen Seiten auffächert und die beiden Männer in seiner Mitte rahmt, entfaltet sich der Israel / Palästinakonflikt in seiner ganzen Historie und Komplexität. Dies ist Colum McCanns überwältigendes Meisterwerk - ein Roman, der das Unbeschreibliche sinnlich und sinnhaft erfahrbar, greifbar macht. Ein kaleidoskopischer Text stellt die zeitlose Frage: Wie leben wir weiter, wenn das Liebste verloren ist? Und: Wie kann der Mensch Frieden finden? Mit sich selbst, mit anderen. 

Übersetzt von Volker Oldenburg
Rowohlt, geb., 595 Seiten, € 25,00

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Joshua Sobol

Der große Wind der Zeit

Ein großer Roman über vier Generationen der Familie Ben-Chaim, eine umfassende Geschichte Israels: Libby, Offizierin der israelischen Armee und Verhörspezialistin, nimmt sich nach einer beunruhigenden Begegnung mit einem mutmaßlichen Terroristen Urlaub von der Armee und fährt zu ihrem Großvater Dave in den Kibbuz. Dort stößt sie auf das Tagebuch ihrer Urgroßmutter Eva und taucht fasziniert in ihre Welt ein. Seite für Seite entsteht ein komplexes Gesellschaftspanorama Israels. Dessen wichtigste Erkenntnis lautet: die junge Generation muss sich mehr für das Schicksal der Palästinenser interessieren. Ein großer, weiser Roman des bekannten Dramatikers.

Übersetzt von Barbara Linner
Luchterhand, geb., 525 Seiten, € 24,00

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Lina Meruane

Heimkehr ins Unbekannte

Unterwegs nach Palästina.


Die in New York lebende Chilenin Lina Meruane fährt erstmals in die Heimat ihrer palästinensischen Großeltern, ins heutige Israel. Die Autorin erzählt von Begegnungen mit anderen Exilanten, Besuchen in Schulen, in denen arabische und jüdische Kinder gemeinsam unterrichtet werden und von der festgefahrenen Politik. Der Bericht ist ein gedankensprühender Kommentar zu einem zunehmend weltbewegenden Problem: Warum wird es immer komplizierter, die Fragen "Wo kommst du her? Wer bist du?" eindeutig zu beantworten? Selbst in Israel, so hat es Lina Meruane am eigenen Leib erfahren, haben rassische, genetische, physiognomische Zuschreibungen Einzug gehalten in den Alltag der Menschen. Ein Buch darüber, wer man zu sein glaubt, und welche politisch wirksamen Täuschungen damit verbunden sind.

Übersetzt von Susanne Lange
Berenberg, geb., 206 Seiten, € 24,00

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Dmitrij Kapitelman

Das Lächeln meines unsichtbaren Vaters

Leonid Kapitelman hat den ersten Teil seines Lebens in Kiew verbracht, den zweiten auf einem klapprigen Bürostuhl in einem Leipziger Russische-Spezialitäten- Laden, aber zu Hause war er in seinen fast sechzig Jahren noch nirgendwo. Bis sein Sohn wissen will, wohin sein meist griesgrämiger, dann wieder die ganze Welt umarmender Erzeuger eigentlich gehört. Zusammen machen sie sich auf eine Reise in eine unbekannte Heimat Israel. Das Lächeln meines unsichtbaren Vaters ist ein sehnsuchtsvoll-komischer Spaziergang auf einem Minenfeld der Paradoxien - ein Buch über Zugehörigkeit und Freiheit, über Deutschland und Israel. Leonid reicht es, in Israel zu sein, sein Sohn Dmirij fährt für ein paar Tage ins Westjordanland.

dtv, kt., 288 Seiten, € 10,90

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Sahar Khalifa

Der Feigenkaktus


Nach jahrelangem Aufenthalt in den Ölstaaten kehrt Usama in seine Heimat zurück. Schon beim Grenzübertritt wird ihm schmerzlich bewußt: dies ist nicht mehr das Land seiner Kindheit und seiner Sehnsüchte. Bald empfindet er eine tiefe Entfremdung zu den Menschen, mit denen er nun in Nablus zusammenlebt. Die Mutter vertraut auf Gott und will von Widerstand nichts wissen. Sein Vetter hat in Israel Arbeit gefunden. Sein Onkel beherrscht die Familie als patriarchalischer Familienfürst und hält gleichzeitig flammende Pressekonferenzen ab.
"Khalifa verbindet ihr vehementes Plädoyer für den Widerstand gegen die israelische Besatzung mit einem ebenso hartnäckigen Kampf für eine Reform der eigenen Gesellschaft. Fundamentalistisches Gedankengut ist ihr fern, aber die Osloer Verträge lehnt sie als gescheitert ab". Stefan Weidner, Neue Zürcher Zeitung

Übersetzt von Hartmut Fähndrich
Unionsverlag, kt., 224 Seiten, € 8,90

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We Are Not Numbers

Junge Stimmen aus Gaza.

2015 wurde We Are Not Numbers gegründet, ein Schreibprojekt für junge Menschen in Gaza. Der Band präsentiert eine Auswahl der erschütternden und auch berührend schönen Lyrik- und Prosatexte aus jenem Landstreifen, von wo uns sonst nur Opferzahlen in den Nachrichten erreichen.
Wenn der Strom nur für wenige Stunden am Tag fließt und sauberes Trinkwasser Mangelware ist, wenn jede Familie Tote zu beklagen hat und Drohnen omnipräsent sind, wenn Arbeitsplätze fehlen und Reisen aufgrund der Blockade ausgeschlossen sind, wenn diplomatische Bemühungen scheitern und Politiker nur streiten, machen sich Ohnmacht und Aggression breit. Doch diese jungen Menschen schreiben, um zu überleben. In kurzen Texten und Gedichten berichten sie vom Leben unter Besatzung, von den Nöten und Freuden des Alltags, von Trauer, ihrer Wut und ihren Träumen. We Are Not Numbers ist ein Hilfeschrei, aber auch ein Triumph der Kreativität.

Illustriert von Malak Mattar
Übersetzt von Lorenz Oehler
Lenos, geb., 173 Seiten, € 22,50

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Edward W. Said               
Musik ohne Grenzen

Mit einem Vorwort von Daniel Barenboim


Der Literaturtheoretiker Edward Said war nicht nur einer der wichtigsten Intellektuellen des ausgehenden 20. Jahrhunderts, der sich mit dem Orientalismus beschäftigte und maßgebliche Debatten über den israelisch-palästinensischen Konflikt anstieß. Als ausgebildeter Pianist war er auch ein leidenschaftlicher und hoch geschätzter Musikkritiker. Dieser Band versammelt Texte zur Musik, die er in 30 Jahren für "The Nation" und andere Zeitungen schrieb. Ob er nun über Mozart, das Verbot, in Israel Wagner zu spielen, seinen Lieblingspianisten Glenn Gould oder seinen Freund und Weggefährten Daniel Barenboim schreibt, immer ist sein Ansatz aufregend, provokant und unterhaltsam.

Übersetzt von Hainer Kober
btb, kt., 411 Seiten, € 11,99

 
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"Bis vor wenigen Jahren hieß es in Deutschland stets, jüdisches Leben sei ein selbstverständlicher Teil der Normalität. Aber spätestens nach dem Überfall auf die Synagoge in Halle 2019 und der massiven Ausbreitung von antisemitischen Verschwörungsmythen in der Corona-Krise bekam dieses Bild tiefe Risse..."    Diagnose: Judenhass


Thomas Meyer

Was soll an meiner Nase bitte jüdisch sein?
Über den Antisemitismus im Alltag.


Antisemitismus hat viele Gesichter - und die meisten davon sind sehr freundlich. Doch auch die besten Manieren schützen nicht davor, Unsinn zu glauben.


Levi Israel Ufferfilge

Nicht ohne meine Kippa!
Mein Alltag in Deutschland zwischen Klischees und Antisemitismus.


Das Sichtbarsein als Jude bleibt nicht ohne Folgen:  Eine erhellende wie schockierende Erzählung über das Jüdischsein in Deutschland heute. 


Eva Gruberová,
Helmut Zeller
Diagnose: Judenhass


Juden können hierzulande kein normales Leben führen, es sei denn, man hält Polizei und Sicherheitszäune vor jüdischen Kindergärten, Brandanschläge auf Synagogen oder perfide Witze für etwas, das zur deutschen Normalität gehört.

Wir haben geöffnet und freuen uns auf Ihren Besuch:
Montag bis Freitag 10.00 - 18.00 Uhr, samstags 10.00 - 16.00 Uhr.

Mit herzlichen Grüßen aus der Akazienallee
Ihr Team von Proust
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