Proust Wörter + Töne

Sieben Lese-Empfehlungen
nebst dreimal Mord & Totschlag

Liebe Freundinnen und Freunde von Proust,

neue, lesenswerte Bücher sind anzuzeigen: Essays über einen Ausnahmezustand, der uns alle verändern wird; Romane über exzentrische Witwen im Seniorenhotel, über Segen und Schrecken des Smartphones, über Wut und Tragödien im Jugendalter; Prosa über Lyrik, Geistergeld und den Wiedehopf und - die Neuübersetzung der éducation sentimentale eines faulen Schwärmers. Vorhang auf!

Carolin Emcke
Journal

Tagebuch in Zeiten der Pandemie

Am 22. März 2020 beschließen Bund und Länder »Kontaktbeschränkungen« - die neue Wirklichkeit der Pandemie greift ein in unsere psychische, soziale, politische Verfassung. Am Tag darauf beginnt die Friedenspreisträgerin Carolin Emcke mit ihrem »Journal«. Sie notiert nächtliche Albträume oder die unmöglichen Abschiede von geliebten Menschen ebenso wie sie die nationalistischen Reflexe Europas und die autoritäre Verführung des Virus analysiert. Es sind subjektive, philosophische Notizen, die dieser historischen Zäsur nachspüren. Immer wieder widersetzt sich Carolin Emcke der Neigung, nur die eigene Stadt oder Region zu betrachten, immer wieder weitet sie den Fokus, reflektiert die Pandemie als globale Konstellation. Es ist die schonungs- und schutzlose Chronik eines Ausnahmezustands, von dem niemand weiß, wann er zu Ende sein und wie er uns verändert haben wird.

Fischer, geb., 268 Seiten, € 21,00

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Elisabeth Taylor

Mrs Palfrey im Claremont

An einem verregneten Sonntag im Januar trifft die kürzlich verwitwete Mrs Palfrey im Claremont ein, wo sie den Rest ihres Lebens verbringen soll. Ihre Mitbewohner - herrlich exzentrisch und unendlich neugierig - leben von Krümeln der Zuneigung und Schnipseln von Klatsch und Tratsch. Gemeinsam wehren sie, dank der berühmten britisch steifen Oberlippe, ihre größten Feinde ab: die Langeweile und den Tod.
Eines Tages schließt Mrs Palfrey unerwartet Freundschaft mit dem mittellosen jungen Schriftsteller Ludo, der sie als Vorbild für seinen Roman verwendet. 

Übersetzt von Bettina Abarbanell
Doerlemann, geb., 256 Seiten, € 25,00

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Will Self

Phone


Für den 78jährigen Zachary Busner, seines Zeichens Psychiater und gealtertes und leicht dementes Familienoberhaupt, bedeutet sein Smartphone die Anbindung an eine Welt, die nicht mehr ganz die seine ist - und zugleich die physische Loslösung von dieser. Den MI6-Agenten Jonathan De'Ath treiben unterdessen ganz eigene Smartphone-Sorgen um, schließlich sind auf seinem Gerät Nachrichten seines heimlichen Langzeitgeliebten gespeichert, einem Panzerkommandanten, der im Irak im Einsatz ist.
Im dritten Teil seiner Jahrhunderttrilogie, die mit Regenschirm und Shark fulminant begann, erzählt Will Self von einer Familie, die aller Kommunikation zum Trotz im Chaos zu versinken droht; er erzählt vom Schrecken des modernen Kriegs und vom Ende der Privatheit und zeichnet so ein schrecklich amüsantes Porträt unserer Zeit.


Übersetzt von Gregor Hens
Hoffmann und Campe, geb., 635 Seiten, € 28,00

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Orkun Ertener
Was bisher geschah

und was niemals geschehen darf


Finn und Paul sind seit Kindertagen unzertrennlich. Jetzt, kurz vor dem Abitur, ist nichts mehr wie früher. Was die Zukunft für sie bereithält, ist ungewiss und macht Angst, und dann ist da noch Khalil, der plötzlich zwischen ihnen steht. Khalil, der Unberechenbare, den Paul vergöttert, obwohl Finn ihm nicht über den Weg traut.
Nachdem Paul einen schweren Unfall hat, muss er damit klarkommen, dass sein Gedächtnis nicht über einen Tag hinausreicht. In der Reha erhält Paul einen Brief von Khalil, der Entsetzliches befürchten lässt. Paul überzeugt Finn, dass sie Khalil aufhalten müssen. So beginnt ein Roadtrip, der sie von Köln über Berlin, London bis nach Hamburg zum G20-Gipfel führt. Und der alles für immer verändert.

Scherz, geb., 336 Seiten, € 20,00

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Jan Wagner
Der glückliche Augenblick

Beiläufige Prosa

Der Georg-Büchner-Preisträger Jan Wagner ist nicht nur ein begnadeter, er ist auch ein begeisterter Lyriker, selbst wenn er Prosa schreibt. Seine Porträts von Dichterkollegen wie Dylan Thomas oder Inger Christensen sind von solch ansteckender Leidenschaft, dass man auf der Stelle deren Gesamtwerk erwerben und loslesen will. Worüber Wagner auch schreibt - über das Verhältnis von Lyrik und Fotografie, Motorroller und Geistergeld in Vietnam, über Pässe und Grenzen oder schlicht den Wiedehopf - sein offener, dem Staunen verpflichteter Blick auf die Welt macht diese mit beiläufiger Eleganz geschriebenen Essays zu herrlichen Wundertüten - aus jeder einzelnen sind meisterhaft zugespitzte Geschichten und immer wieder überraschende Erkenntnisse zu ziehen.

Hanser Berlin, geb., 300 Seiten, € 25,00

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DIE NEUÜBERSETZUNG:

Iwan Gontscharow
Eine gewöhnliche Geschichte

Alexander Fjodorytsch Adujew ist noch jung, und nun soll er in der Hauptstadt Karriere machen. Was für ein verheerender Tag für seine Mutter Anna Pawlowna! Denn gehört ein junger Mann nicht beschützt? Ist er den Herausforderungen im Beruf, in der Liebe, in der Gesellschaft gewachsen?
"Eine gewöhnliche Geschichte", 1847 erschienen, ist der große Bruder des weltberühmten "Oblomow" - ein Roman, der enormes Aufsehen erregte: In seinem jugendlichen Schwärmer erkannten die Zeitgenossen sofort die zögernde, zwischen alt und neu zerrissene Generation in der auf ihr Ende zugehenden feudalen Gesellschaft. Wer Russland verstehen will, muss Gontscharow lesen.

Neu übersetzt von Vera Bischitzky
Hanser, geb., 511 Seiten, € 36,00

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Peter Burke

Giganten der Gelehrsamkeit

Die Geschichte der Universalgenies

Wandelnde Enzyklopädisten gab es schon in der Antike. Ausnahmeerscheinungen wie Pythagoras wurde nachgesagt, alle Fragen beantworten zu können. Doch erst im 17. Jahrhundert kamen Universalgelehrte in Mode – allen voran der Autodidakt Leonardo da Vinci: Der Musiker, Maschinenbauer, Maler, Bildhauer, Militärexperte, Anatom, Fossiliensammler, Erfinder, Botaniker, Zoologe, Geologe und Kartograph wurde nicht zufällig Namensgeber des »Leonardo-Syndroms«, das für die Unfähigkeit zur Auswahl und Beendigung von Projekten steht.
Heute, im Zeitalter der Hyper-Spezialisierung und der grassierenden Oberflächlichkeit, brauchen wir die Universalgelehrten dringender denn je. In diesem ebenso lehrreichen wie amüsanten Buch kann man ihnen nachspüren. Ein Meisterstück Burke’scher Geschichtsschreibung.

Aus dem Englischen von Matthias Wolf unter Mitarbeit von Ursula Wulfekamp
Wagenbach, geb., 320 Seiten, Großformat, € 29,00

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Und drei gute Krimis für schlaflose Nächte:

Nicci French
Was sie nicht wusste

Als Neve Conolly in der Wohnung ihres Geliebten eintrifft, findet sie ihn mit einem Hammer erschlagen. Neve steht unter Schock, denn sie ist verheiratet und der Tote war ihr Chef. Aus Angst, dass ihre Affäre auffliegt, beseitigt sie all ihre Spuren...

Simone Buchholz
River Clyde

Während in Hamburg ein ganzer Straßenzug brennt, und sich ein paar Immobilienmakler gegenseitig die Gesichter wegschießen, kämpft Riley in Glasgow mit den Geistern ihrer Vergangenheit. Selbst der Whisky hilft ihr nicht...

Doug Johnstone

Der Bruch

In einem herunter-gekommenen Hochhaus lebt der siebzehnjährige Tyler mit seiner alkohol- und drogensüchtigen Mutter.
Von seinem Stiefbruder Barry wird er gezwungen die Häuser reicher Leute in Edinburgh auszurauben...
Wir sind glücklich, dass wir euch - vermummt und lächelnd - in der Buchhandlung endlich wiedersehen können. Aber Obacht: Umarmen, Drücken und Küsschen verboten!

Herzlich
Beate Scherzer, Sarah Jäger, Vina Skiebe, Georg Drossas und Peter Kolling

Gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung
für Kultur und Medien

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