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  Die Not der Anderen


Gefahr, Krankheit, Tod –  das alles ist plötzlich ganz nah zu uns gerückt.

"Jetzt erleben wir das selbst: Die Leute sind krank, sie sterben und müssen umgehend unter die Erde – ohne Abschied, ohne Begräbnis. Das, was uns als Gesellschaft so fern schien, ist plötzlich da, ganz nah, auch bei uns", schreibt die italienische Autorin Cristina Cattaneo und fährt fort: "Sich nicht mehr um die eigenen Toten kümmern können: Durch Corona erleben wir jetzt selbst, was die Migranten immer erleben: Angst, Einsamkeit, Diskriminierung."

Die Situation auf den griechischen Inseln spitzt sich wieder dramatisch zu, im Mittelmeer ist kein einziges privates Rettungsschiff mehr im Einsatz. Neben den Nachrichten über die Corona-Krise treten diese Notlagen von Geflüchteten leider
hierzulande wieder in den Hintergrund.

Vier besonders lesenswerte Bücher zum Thema möchten wir Ihnen zur Lektüre empfehlen.


Youssouf Amine Elalamy
Gestrandet
Roman aus dem Französischen von Barbara Gantner
Verlag Donata Kinzelbach, kart., 146 Seiten, 
€ 18.-

Zwölf Männer und eine Frau machen sich auf den Weg, um illegal mit einem Boot von Marokko nach Europa zu gelangen. Jeder hat seine eigenen Hoffnungen. Ein Schiffsbruch macht sie alle zunichte. Wie in einem antiken Chor lässt der Autor die einzelnen Stimmen auftreten und ihr Schicksal vortragen. Der marokkanische Autor Youssouf Amine Elalamy, geboren 1961, setzt all jenen afrikanischen Flüchtlingen ein literarisches Denkmal, die ihre Hoffnung auf Zukunft mit dem Leben bezahlten.

Er schafft eine Vielstimmigkeit, die laut und stark ist, wie mit Feuer geschrieben, manchmal mit Bissigkeit, stets mit poetischem Gefühl. Ausgezeichnet mit dem Prix Grand Atlas.          

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Cristina Cattaneo
Namen statt Nummern
Auf der Suche nach den Opfern des Mittelmeers
Aus dem Italienischen von Barbara Sauser
Rotpunkt Verlag, geb., 206 Seiten, € 24.-

Sie will den Leichen ihren Namen zurückzugeben und den Familie einen Toten, den sie bestatten können. 30.000 Menschen sind in den letzten Jahren im Mittelmeer auf der Flucht ertrunken. Über Bootsunglücke wird kaum noch berichtet. Doch Cristina Cattaneo, Professorin für Gerichtsmedizin an der Universität Mailand, kämpft gegen das Vergessen.
Sie erforscht die Herkunft der Opfer der großen Schiffsunglücke vor Lampedusa von 2013 und 2015. Sie arbeitet mit Hilfe von DNA-Abgleichen und der Analyse von Knochen und Gewebe. Sie sortiert Fundstücke aus dem Bauch der Schiffe.
Viele der Geflüchteten trugen ein winziges Säckchen Erde mit sich, fest ins T-Shirt eingenäht, Erinnerung an die Heimat. Wo die war, lässt sich nicht sagen.


Namen statt Nummern

Jetzt hat Cristina Cattaneo ein Buch über ihre Arbeit geschrieben. In mittlerweile über sechs Jahren hat sie die Namen von 38 Menschen ausfindig machen können. Es klingt nach nichts. Ein Tropfen im Meer. Für die Familien bedeutet es alles.
                                                                                                                      Bestellen


Beide Bücher sind Vorlagen für das Theaterstück „Boat Memory / Das Zeugnis“, das bis
vor kurzem im Theater an der Ruhr gezeigt wurde. Dazu Cornelia Fiedler, Süddeutsche Zeitung:
"Boat Memory / Das Zeugnis" ist ein kompromissloser Abend, der keine Ausreden gelten lässt, der keine Erleichterung und kein Lachen erlaubt, und der gerade deshalb so gut ist.Hoffen wir, dass wir das Stück im Theater an der Ruhr in Mülheim bald wieder sehen können.




Welch schöne Tiere wir sind


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Lawrence Osborne
Welch schöne Tiere wir sind
Roman
Übersetzt von Stephan Kleiner
Piper Verlag, kart., 336 Seiten, 12,00 €

Die Tage fließen ineinander wie zäher Honig. Auf der griechischen Insel Hydra vertreiben sich Naomi und Sam den Sommer, sie schwimmen vor der rauen Küste und trinken Tsipouro.

„Tod dem Tod“ sagen sie und stoßen miteinander an. Bis sie bei einem Spaziergang eine folgenschwere Entdeckung machen: Ein bärtiger Fremder schläft auf den Steinen, Faoud mit Namen. Die jungen Frauen beschließen, dem Geflüchteten zu helfen, und schmieden einen fatalen Plan.
„Lawrence Osborne erzählt eine Geschichte, in der Gedeih und Verderb so dicht beieinander liegen wie in eine Nussschale gezwängt – verdichtet in einer Prosa, deren Schönheit und sinnliche Dichte derzeit ihresgleichen sucht unter den europäischen Erzählern von Rang.“ Deutschlandfunk Kultur 


Francesca Melandri

Alle außer mir
Übersetzt von Esther Hansen

btb, kart., 603 Seiten, 12,00 €

Kennen Sie Ihren Vater? Wissen Sie, wer er wirklich ist?
Kennen Sie seine Vergangenheit?
Die vierzigjährige Lehrerin Ilaria hätte diese Fragen wohl mit »ja« beantwortet, und auch ihre Familie glaubte sie zu kennen - bis eines Tages ein junger Afrikaner auf dem Treppenabsatz vor ihrer Wohnung in Rom sitzt und behauptet, mit ihr verwandt zu sein. In seinem Ausweis steht: Attilio Profeti, das ist der Name ihres Vaters… Der aber ist zu alt, um noch Auskunft zu geben. Hier beginnt Ilarias Entdeckungsreise, von hier aus entfaltet Francesca Melandri eine schier unglaubliche Familiengeschichte über drei Generationen und ein schonungsloses Porträt der italienischen Gesellschaft.

„Francesca Melandri zündet Sprengsätze, und die Lebenslügen Europas fliegen in die Luft.“

DIE ZEIT                                     
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Alle außer mir

Liebe Freundinnen und Freunde von Proust,

Es gibt einen ganz konkreten Aufruf zur Hilfe für Kinder und Frauen in den griechischen Flüchtlingslagern: Die Christiane Weber Stiftung vergibt in diesem Jahr keinen Kindermusikpreis „Das Weberlein“, sondern ruft stattdessen eine Spendenaktion „Wir verdoppeln Ihre Spende“ ins Leben, womit sie zwei NGOs unterstützen möchte, die sich in Lagern auf den griechischen Inseln speziell um Kinder und Frauen kümmern.
Mehr dazu hier.


Wir wünschen Ihnen einen guten Wochenstart - bleiben Sie negativ!


Mit herzlichem Grüßen aus der Akazienallee
Ihr Team von Proust
______________________________________
proust

wörter + töne GmbH
Akazienallee / Am Handelshof 1
45127 Essen
Tel. 0201/8396840
Fax 0201/8396841

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